Ruderwanderfahrt – 17 „Quereinsteiger“ in Potsdam und Berlin unterwegs

Ruderwanderfahrt – 17 „Quereinsteiger“ in Potsdam und Berlin unterwegs

17 Teilnehmer/innen aus dem Breitensport – überwiegend Quereinsteiger die erst wenige Jahre beim RCK sind –  ruderten mit drei Gig-Vierer und einem Gig-Zweier vom 27.Mai bis 1.Juni auf einer sehr abwechslungsreiche Strecke 138km lang durch Potsdam und Berlin.
Schon am ersten Tag wurde die Nervenstärke der Mannschaft geprüft. Der Sonntagsabend-Wasser-Verkehr vom kleinen Wannsee über den Tiefer See und Templiner See bis zum Schwielowsee war für uns „Meebankert“ überwältigend, kreuz und quer stellten sich uns Drachenboote, Hausboote, Tretboote, Paddler, Motorboote und Passagierschiffe entgegen. Ein ständiges RUDER HALT bremste unsere Fahrt, die aber durch ein aufkommendes Gewitter wieder gut beschleunigt wurde.

Der zweite Tag war ganz im Sinne der Erholung pur, Strandfeeling mit Cocktail und Baden im Schwielowsee. Wenn da nicht plötzlich der Wind aufgekommen wäre und wir bis nach Werder auf dem welligem See uns kräftig in die Riemen/Skulls legen mussten.

Am dritten Tag hatten wir eine große Strecke von 35km zu bewältigen. Es ging über den Großen Zernsee zum Schlänitzsee in den Kanal zum Jungfernsee zurück zum kleinen Wannsee. Auch hier waren Wind und Wellen eine Herausforderung, die aber mit Steuermannswechsel, Biergarten und immer wieder kleinen kreativen Pausen gut gemeistert wurde. Eine neue Erfahrung war auch die Orientierung über Google Maps, da konnte man doch schnell mal gucken, wo der versteckte Kanaleingang am Seeufer war.

Der vierte Tag führte uns über den großen Wannsee nach Spandau, dort gab es die erste Schleusenbegegnung. Für uns doch sehr ungewöhnlich: eine Selbstschleusung mit Schienenwagen, wir fanden es sehr komfortabel und entspannend. Ab jetzt änderte sich unser Umfeld: vom Natur geprägtem Landschaftsbild nun zum geschäftigem Industrie- und Hafengelände. Bis wir im Hohenzollernkanal auch noch den landenden Flugverkehr über uns erleben durften.

Unser interessantester Streckenabschnitt mit der Durchquerung des Berliner Landwehrkanals erfolgte am fünften Tag unserer Wanderfahrt. Allein die Route dahin erforderte schon gutes Karten lesen beim Steuermann, dann den Mut das Einbahnstraßenschild des Landwehrkanals zu ignorieren, und im doch relativ engen Kanal das Boot sicher an den entgegenkommenden Schiffen vorbei zu lotsen. Dafür wurde man mit der einmaligen Perspektive zur Berliner Innenstadt belohnt. Das rege Ufertreiben zog uns in den Bann, die Berliner saßen auf den Uferwiesen, lagen in Hängematten oder wohnten in Zelten unter den Brücken. Hilfsbereit sprangen sie auf und wiesen uns zum nächsten Biergarten, denn die Hitze war enorm. Einmal gab es einen Stinkefinger, da haben wir wohl gestört. Es war eine gechillte Atmosphäre inmitten einer Drei-Millionenstadt.

Der letzte Tag führte uns von Neukölln im Teltowkanal über Kleinmachnow zum Stölpchen- und Pohlesee wieder zurück zum kleinen Wannsee. Der Kanal zog sich lang, die andauernde Hitze über 30° spürten wir schon fast nicht mehr, unsere Hände waren mit Blasen verziert und unser Hintern sehnte sich nach einer weichen Unterlage. Doch dann hatte uns wieder das rege Treiben in den Seen im Griff, in Ufernähe wimmelte es von schwimmenden Menschen und Hunden, die wir laut zurufend im Slalom umsteuerten.

Diese Wanderfahrt war sehr beeindruckend und hat uns um einige Erfahrungen bereichert:
Panzerband klebt alles — auch leere Wasserflaschen sind wichtig—Disziplin im Fingertaping und Sonnenschutz.